Sprachbarrieren aufgehoben und das Eis gebrochen

„Toll! Das Erzählfest ist für unsere Bewohner mal was Anderes“, sagen Silke Beck und Cecilie Schackert von Fachstelle Asyl der Stadt Speyer. Selma Scheele gestaltete zwei Nachmittagsveranstaltungen in der Gemeinschaftsunterkunft in Speyer für Geflüchtete. Es kamen Grundschul- und Kindergartenkinder.

Rund 115 Menschen leben momentan in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kurpfalz-Kaserne, darunter etwa 30 Kinder im Alter von null bis 16 Jahren. Die meisten von ihnen besuchen Kindergarten oder Grundschule und sind gefordert, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden und die Sprache zu lernen. Für die Mütter wird in der Einrichtung unter anderem ein Frauencafé angeboten, in dem auch Sprachförderung stattfindet, und für die Kinder besteht zweimal in der Woche die Möglichkeit, eine Lernwerkstatt mit Hausaufgabenbetreuung zu besuchen.

„Mit dem Erzählfest werden die Kinder optimal angesprochen, wir öffnen uns für die Speyerer in der Nachbarschaft und bringen so ein Stück Normalität in den Alltag“, freut sich Cecilie Schackert.

Auch Selma Scheele ist begeistert von den Kindern – und den Eltern, die zum Teil wenig Deutsch können und trotzdem begeistert mitmachen. Gemeinsam gehen alle zusammen in den Märchenwald, überwinden dabei einen hohen Berg und ein tiefes Meer und schließen am Ende mit einem großen Schlüssel ein knarrendes Tor auf. Und dann erzählt die Geschichtenerzählerin von dem kleinen Fuchs, der sich in einem großen Schloss verirrt, in dem drei Bären wohnen. Gebannt lauschen die Kinder, machen Bewegungen und Töne mit und konzentrieren sich ganz auf die junge Frau vor ihnen.

Die bringt wie immer ihren ganzen Körper in Einsatz – und hebt damit auch Sprachbarrieren auf. Das ist für sie zum einen einfach, zum anderen selbstverständlich, wie sie sagt: „Ich bin zweigeteilt: Die eine Hälfte ist deutsch, die andere ist türkisch.“ Und dann zeigt sie, wo die Trennung zwischen ihren beiden Hälften verläuft: quer durch das Gesicht, oder vielleicht zwischen Ober- und Unterkörper? Und sie begrüßt die Kinder zweisprachig und animiert sie, in ihrer jeweils eigenen Sprache „Hallo“ und „Willkommen“ zu sagen. Es zeigt sich, dass Kinder mit vielen Sprachen da sind.

Elke Beck, die früher als Erzieherin gearbeitet hat, erkennt einige Kinder wieder, die sie damals betreute: „Ich bin total fasziniert, wie lange die Kinder zuhören konnten“, sagt sie: „Normalerweise schaffen sie es nicht, so lange still zu sitzen und sich zu konzentrieren.“ Und andere, die sie als sehr schüchtern kennt, haben sich beteiligt: „Sie haben es geschafft, dass das Eis ganz schnell gebrochen war“, dankt sie Selma Scheele.