Neues Zuhause für das Buch vom „wunderbarsten Platz der Welt“

„Und warum liest du uns nicht vor?!“ – Der Junge aus der Kita „Haus des Kindes“ in Schifferstadt ist empört: Da steht vor ihm das Buch „Der wunderbarste Platz der Welt“, und Susanne Tiggemann erzählt die Geschichte, statt sie vorzulesen. Mit ihrer Antwort gibt er sich aber schnell zufrieden: „Ich bin keine Vorleserin, sondern Erzählerin.“

Zwei Erzählrunden unter Motto „Bücher suchen ein Zuhause“ gestaltete Susanne Tiggemann. Und außer dem kleinen skeptischen Jungen waren alle knapp 60 Kinder voll begeistert von der Geschichte vom Frosch Boris, der seinen Teich verlassen muss und in einem Molch einen Freund fürs Leben findet. „Ich denke, Geschichten müssen mir gefallen und zu mir passen“, erklärt Susanne Tiggemann in einem Pressegespräch, „sie müssen nicht unbedingt eine Botschaft vermitteln“. Dabei tut das die Geschichte von Boris, der in jedem Teich, den er auf der Flucht vor einem Storch aufsucht, vertrieben wird. Bis er schließlich in einer größeren Pfütze landet und von einem Molch fröhlich und freudig aufgenommen wird. Als Boris endlich wieder in seinen eigenen Teich zurück darf, nimmt der den Molch mit – und verteidigt ihn nun gegenüber den anderen Fröschen, die ihn loswerden wollen, „weil er kein Frosch ist.“

Am Ende, und darüber freuen sich die Kinder besonders, bleibt das Buch als Geschenk in der Kita: „So könnt ihr die Geschichte immer wieder anschauen, euch vorlesen lassen oder selbst erzählen“, animiert die Erzählerin. Ein weiteres Exemplar findet ein neues Zuhause in der Stadtbücherei Schifferstadt. Die Kita und die Bücherei arbeiten eng zusammen: Die Vierjährigen gehen mit ihrer Bücherei-AG jede Woche einmal dorthin, worüber sich Christine Schmeer, die dort für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig ist, sehr freut.

Sie ist auch zu den zwei Erzählrunden gekommen und freut sich, dass sie sich wieder einmal „etwas abgucken kann“. Sie findet das gewählte Buch ebenfalls sehr schön, „die Geschichte ist total ansprechend und schön für Kinder.“

Begeistert von der Erzählveranstaltung sind auch die Erzieherinnen und die interkulturelle Fachkraft im „Haus des Kindes“: „Zauberhaft, wie die Kinder mitgegangen sind“, sagen sie. Und sie wundern sich: In einer anderen Geschichte, die von sprechenden Äpfeln, lachenden Weintrauben und Aprikosen, die wie Glöckchen klingen, handelt, spielen sie gemeinsam mit Susanne Tiggemann mit: Sie rufen nach einer Kutsche, springen auf ihren Plätzen, weil ja auch die Kutsche holpert, schreien laut – und sind im nächsten Moment wieder mucksmäuschenstill, weil sie wissen wollen, wie die Geschichte weitergeht.

Rund 140 Kinder zwischen einem Jahr und zwölf Jahren besuchen Kindergarten und Hort im „Haus des Kindes“ – aus 16 verschiedenen Nationen. Wahrscheinlich haben nicht alle alles verstanden. „Aber das war die beste Sprachförderung, die man sich wünschen kann für Sprachanfänger und Sprachneulinge“, sagen die Erzieherinnen am Ende.